Berichte Lehrgänge

Berichte über zurückliegender Lehrgänge

 

Kombi-Lehrgang 2018 an zwei heißen Apriltagen

 

Nach nun 31 Lehrgängen, bei denen ich als Mitarbeiter unter Wolfgang Goldschmidt und seit drei Jahren unter Hans-Josef Lakatos, teilgenommen hatte, kann ich mich nicht erinnern, dass das Thermometer einmal an zwei Apriltagen in Richtung 30 Grad Celsius geklettert ist. Unter dem Dach des Vorraums vom Schützenhaus in Eppelheim herrschten in den Vormittagsstunden des 21. und 22. April bei diesem Lehrgang noch angenehme Temperaturen, am Nachmittag machte sich jedoch die Frühjahrshitze deutlich bemerkbar. Die Teilnehmer hatten sich immer fortlaufend Erfrischungsgetränke bestellt, um die besprochene und sehr umfangreiche Materie aufzunehmen. 

 

Zunächst zum Samstag, welcher bei den beiden Tagen viel Aufmerksamkeit und fachliches Demonstrieren im Umgang mit Vorderladewaffen und Böllern von den anwesenden Schützen erforderte. Die Ausbildungskräfte und die Kursteilnehmer waren außerordentlich gefordert. Es hatte Alles, wie man so mundartlich sagt, gut geklappt, weshalb sich das auch in den Prüfungstests positiv niederschlug.

 

Am Sonntag waren dann die „Wiederlader“ an der Reihe. Schulungsleiter Hans-Josef Lakatos hat die bereits vorhandene Präsentation verbessert, dass an Hand der vorhandenen Bilder und Texte die komplexe Materie des Wiederladen von Zentralfeuerpatronen noch besser erläutert werden konnte. Die anwesenden Referenten Mathias Zäpfel, hinzugekommen an diesem Tag war auch ich als langjähriger Mitarbeiter für diesen Bereich, beantworteten mit großer Geduld sämtliche gestellten Fragen zu Geschossen, Hülsen, Anzündhütchen und Pulver. Ein besonderer Schwerpunkt bei dieser Tätigkeit war die Vermittlung der Inneren Ballistik. Hier wurden die meisten Fragen gestellt und am vorhandenen Schaubild mehrfach erklärt. Dass jeder Wiederlader eigenverantwortlich handelt wurde deutlich herausgestellt. Nachdem die theoretische Materie abgearbeitet, war eine Mittagspause notwendig um neue Kräfte zu schöpfen.

 

Aber diese Pause dauerte nicht allzu lange, denn es sollte ja noch der praktische Teil und die anschließende schriftliche Prüfung an diesem Nachmittag durchgeführt werden. Mathias Zäpfel hatte bereits schon am Vormittag die notwendigen Arbeitsgeräte (Pressen, Hülsentrimmgeräte, Zündhütchensetzer etc.) auf den Tischen aufgebaut, dass man zur ohne Verzögerung zur Tat schreiten konnte. Wie immer wurde als erste Patrone die bekannte Revolverpatrone .357 Magnum, die ja von den meisten Schützen wieder geladen wird, laboriert. Die gereinigten Hülsen wurden in fortlaufenden Arbeitsgängen zunächst rekalibriert und anschließend die Zündglocken gesäubert. Im Fortgang wurden sie aufgeweitet und die Anzündhütchen gesetzt. Zu jedem der verwendeten Werkzeuge erfolgten die entsprechenden Erläuterungen und auch der Hinweis wie man mit ihnen ökonomisch arbeitet. Nach der Befüllung der Patronen mit dem in den Ladetabellen aufgeführten progressiven Kurzwaffenpulver wurden Geschosse eingepresst und fertig waren die von jedem Kursteilnehmer laborierten fünf Patronen. Nach Inaugenscheinnahme ist nun zusätzlich auch eine Funktionsprüfung durchgeführt worden. Das Ergebnis war absolut zufriedenstellend, denn alle Patronen ließen sich in die Trommel des Revolvers laden.

 

Auch zwei weitere Patronen im Kaliber 30-30 Win. galt es zu laden und zwar in neue Hülsen. Da diese jedoch am Hülsenmund leicht eingedellt waren, konnten sie so nicht verwendet werden. Deshalb mussten sie gefettet und noch einmal kalibriert werden. Nach Antrichtern und Entgraten des Hülsenmundes konnten so als weiterer Arbeitsgang die Anzündhütchen gesetzt werden. Es wurde dabei nun ein neues Handsetzgerät verwendet, dessen Handhabung auch erklärt wurde. Nach Befüllung mit Pulver konnten die Geschosse gesetzt und fertig waren die zwei Flaschenhalspatronen mit Rand. Auch sie wurden überprüft und für gut befunden.

 

Es wurde nun ruhig im Laderaum, denn Jeder hatte einen Testbogen mit Fragen vor sich liegen, zu denen er Stellung beziehen musste. Nach dreißig Minuten war die Prüfung beendet und mit einem beruhigendem Ergebnis konnten die Kursteilnehmer nach Hause fahren.

 

 

Über den nächsten Lehrgangstag kann ich keine Aussagen machen. Die Außentemperaturen waren jedoch gefallen, so dass die Konzentration bei der Vermittlung der Rechtsmaterie leichter gefallen sein dürfte.

 

Ich nehme an, dass Alle den gestellten Erwartungen gerecht wurden und auch diesen schriftlichen

 

Test bestanden haben.

 

Mit meinem Appell sich fortlaufend literarisch weiterzubilden und die vorgeschriebenen technischen Abläufe sowie rechtlichen Vorgaben absolut einzuhalten, bedankte ich mich noch einmal bei den Aspiranten für die Aufmerksamkeit während dieses Lehrgangs. 

 

Ein Dankeschön auch dem Schützenhausteam, das uns an den drei Tagen verköstigt so wie an Mathias Zäpfel, der die Räumlichkeiten und die Schießanlage seines Vereins für den Lehrgang bereitgestellt hatte. 

 

Erwähnen möchte ich auch einmal die Tätigkeit des Landesschulungsleiters Hans-Josef Lakatos, der stets bemüht ist den Lehrgang informativ und abwechslungsreich zu gestalten. Er und seine Referenten stellen nicht nur ihre Zeit zur Verfügung sondern auch technischen Werkzeuge (Schießgeräte, Literatur und Anschauungsmaterial) die zur Durchführung nun einmal notwendig sind.

 

Auch ich freue mich immer, wenn ich erlangtes Wissen und langjährige Erfahrungen an interessierte Schützen

 

und zukünftige Wiederlader weitergeben darf. Den Ratschlag „Sicherheit geht vor Schnelligkeit“ möchte ich Ihnen besonders ans Herz legen. Dann trifft auch der Werbeslogan „billiger schießen - öfters schießen – besser schießen“ nach dem Erwerb der Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz für sie zu!

 

 

Der Termin und die näheren Auskünfte für den kommenden Kombilehrgang im Herbst 2018 in Forst bei Bruchsal steht fest. Er kann über den BSV in Erfahrung gebracht werden. Um eine rechtzeitige Anmeldung beim Lehrgangsleiter Hans-Josef Lakatos oder BSV Leimen wird gebeten. Ebenso sollten die Kursteilnehmer die für den Lehrgang erforderliche Unbedenklichkeitsbescheinigung frühzeitig bei der zuständigen Verwaltungsbehörde beantragen und sie dem BSV mit der Anmeldung zusenden.

 

Außerdem sollten sie sich in der kommenden Zeit mit der entsprechenden Lektüre ( Wiederladen-Vorbereitung und Praxis 6. Auflage der DEVA oder ähnliche Bücher ) befassen. Das ist sehr hilfreich und trägt zum besseren Verständnis der umfangreichen Thematik bei. 

 

Günter Graf 

 

Presse, Wiederlader-, Vorderlader-, Böller-Lehrgangswesen 

Lhergang 2018

 

Lhergang 2018b

 

 

 

Letzter Kombilehrgang des Badischen Sportschützenverbands in Forst

  

Dieser zweite Lehrgang in diesem Jahr war stark besucht und deshalb stellten und auch die Schützenfreunde des KKS Forst uns für die drei Tage am 11. bis 13. November ihre große Schießsporthalle zur Verfügung.

 

Am Samstag, die Kombilehrgänge werden ja schon seit einiger Zeit an den Tagen Samstag, Sonntag und Montag abgehalten, stand der Lehrgang ganz im Zeichen des Umgangs mit Vorderladewaffen und das Böllern. Die Unterweisung an den verschiedenen Waffen und Böller haben Hans-Josef Lakatos und Mathias Zipfel vorgenommen da der erkrankte Referent Olaf Winter (Böllerreferent) leider nicht anwesend sein konnte. Die Bewältigung der theoretischen und praktischen Unterweisung nur durch den Landesschulungsleiter und den Referenten für Vorderladewaffen war deshalb eine arbeitsintensive Angelegenheit. Hier war einfach Geduld gefordert, was auch für die beiden weiteren Tage bei diesem Lehrgang der Fall war. Bei all diesen Tätigkeiten und das möchte ich wirklich noch einmal betonen, beim Böllern und auch beim Schießen mit Vorderladewaffen, ist diese Tugend unentbehrlich. Wer in Hektik verfällt begeht Fehler und die können folgenschwer sein. Die Referenten haben das in ihrer Ansprache überdeutlich vermittelt und das wurde auch so akzeptiert. Nach einer schriftlichen Abfrage und der praktischen Handhabung der Waffen und Böller, bei dem auch alle Probanden ihren gestellten Anforderungen gerecht wurden, ging ein arbeitsintensiver Tag zu Ende.

  

Der darauffolgende Tag stand ganz im Zeichen des Wiederladen von Zentralfeuerpatronen. Hinzugestoßen an diesem Tag war ich, da ich ja als Wiederladereferent bei diesen Lehrgängen fungiere. Bei dieser sehr umfangreichen Unterrichtung assistierten mir der Landesschulungsleiter und Vorderladereferent. Zur besseren Verdeutlichung der Thematik hatte der Landesschulungsleiter mit meiner Hilfe eine Präsentation erstellt, in dem die verschiedenen Abläufe und Komponenten, die zum Laden einer Zentralfeuerpatrone erforderlich sind, bildlich dargestellt wurden. Es kam in dieser mehrstündigen Unterrichtung zu einem fruchtbaren Dialog und die vielen gestellten Fragen konnten hinreichend beantwortet werden. Die Konfrontation mit den vielen Fachbegriffen und Messwerten, die man einfach wissen muss, haben doch ein wenig Kopfzerbrechen verursacht. Deutlich wurde auch gesagt, dass der Umgang mit Treibladungspulver, Anzündhütchen, Geschossen und Hülsen sehr viel Kenntnisse voraussetzt und diese müssen auch fortlaufend aktualisiert werden. Eine herausragende Information war zum Abschluss des theoretischen Teil des Vortrags der Vorgang in der Waffe beim Schuss. Wie sich der Gasdruck entwickelt, welche Reibungswiderstände und Temperaturen entstehen, was Freiflug und rotationsloser Geschossweg sind und nicht zuletzt welches Treibladungsmittel man benötigt, verdeutlichten die hohen Anforderungen an die zukünftigen Wiederlader. Nach dem Mittagessen ging es gestärkt zur Bewältigung der weiteren Aufgaben weiter. Nach zusätzlich kurzen Erklärungen zu den am Vormittag besprochenen Punkten stand der Nachmittag nun ganz im Zeichen der praktischen Handhabung. Die Geräte waren bereits an Tischen aufgebaut und so konnte der gesamte Vorgang der Herstellung einer Patrone Schritt für Schritt erläutert und ausgeführt werden. Dass es sich hier um eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit handelt, wurde nochmals besonders herausgestellt. Fortlaufendes Messen der Kartuschen mit dem Messschieber, einwandfreies Setzen der Zündhütchen, genaues Abwiegen der Pulverfüllung und zum Schluss das verkanntungsfreie Setzen des Geschosses usw. sind unentbehrlich Schritte, wenn man eine maßhaltige Patrone mit einer guten Präzision fertigen möchte. Es war eine noch ungewohnte Arbeit die zuvor festgelegte Pulvermenge genau zu dosieren, denn nur winzige Körner haben die Anzeige der Waage nach Oben oder Unten verändert. Alle und das war eine mehrstündige Angelegenheit, haben es jedoch geschafft wie Hans-Josef Lakatos, Mathias Zipfel und ich sehen konnten. Jetzt war auch jedem Auszubildenden unmissverständlich klar geworden, dass er in den beiden Tagen für dieses anspruchsvolle Hobby nur ein Grundwissen erworben hat jedoch sich fortlaufend weiterbilden muss. Nur Übung macht den Meister. Die übliche Bemerkung des verstorbenen früheren Referenten Wolfgang Goldschmidt bei jedem Lehrgang, dass die Geschichte des Pulvers mit Blut geschrieben ist, habe ich als historische Geschehnis während meines Referats prägnant erwähnt. Auf den Umstand. dass jeder Wiederlader eigenverantwortlich handelt und sich dieser Verantwortung auch bewusst sein muss, haben der Landesschulungsleiter und ich bei der Ausbildung ebenso vielfach hingewiesen. Am Ende dieses langen Arbeitstages wurde das erlernte Wissen in einer weiteren schriftlichen Prüfung abgefragt.